Strickmasche

Welche Nadelstärke für welches Garn?

Gerade für Strickanfänger ist die große Auswahl an verschiedenen Stricknadeln oft verwirrend. Dabei bleibt es zunächst einmal den persönlichen Vorlieben überlassen, ob man sich für gerade Nadeln oder Rundstricknadeln, für Nadeln aus Metall, Plastik, Holz oder Bambus entscheidet. Alle haben ihre eigenen Vor- und Nachteile und eignen sich prinzipiell für jedes Strickprojekt.

Anders sieht das bei der Nadelstärke aus: Sie sollte abhängig vom Garn, vom geplanten Projekt und vom eigenen Strickstil gewählt werden. Stricknadeln sind relativ teuer, und oft auch noch vom Umtausch ausgeschlossen. Deshalb sollte man sich vor dem Kauf ein paar Gedanken über die richtige Nadelgröße machen.

In Deutschland wird bei der Nadelstärke der Durchmesser der Nadel in Millimetern angegeben. Nadelstärke 5,5 bedeutet also zum Beispiel, dass meine Stricknadeln einen Durchmesser von 5,5mm haben. (In den USA funktioniert das System etwas anders. Eine Übersicht über europäische und amerikanische Nadelstärken findest Du in dieser Tabelle.) Die gängigsten Nadelstärken liegen zwischen 2 und 10; es gibt aber auch noch deutlich kleinere und größere Nadeln. (Die größten, die ich bisher gesehen habe, waren 20mm dick.)

Wie entscheide ich jetzt, welche Nadelstärke die richtige für mein Projekt ist? Zu beachten sind dabei die folgenden drei Dinge:

  1. die Garnstärke
  2. die eigene Maschenprobe
  3. das geplante Projekt

Die Garnstärke

Generell gilt: Je dicker das Garn, desto dicker die Nadel, mit der ich es verstricke. Dünnes Sockengarn z.B. wird meist mit Nadeln Stärke 2,5 verstrickt, dickes Effektgarn für Winterschals mit Stärke 8-10. In den meisten Fällen ist auf der Garnbanderole schon angegeben, welche Nadelstärke zu verwenden ist.

Dabei darf man sich aber nicht auf die Garndicke allein verlassen: viele Garne , die auf dem Knäuel gleich oder ähnlich dick aussehen, werden mit unterschiedlichen Nadelstärken verstrickt. Das liegt daran, dass verschiedene Materialien und verschieden verzwirnte Garne sich unterschiedlich verhalten, wenn sie erst einmal verstrickt sind.

Die eigene Maschenprobe

Dass auf den Banderolen meist nicht nur eine Stärke angegeben ist, sondern ein Bereich (z.B. 3,5-4,5) liegt daran, dass jeder von uns unterschiedlich strickt. Manche stricken lockerer, manche fester als andere. Oft hängt dies auch vom gerade zu strickenden Projekt ab: ich neige z.B. dazu, bei Fair-Isle-Strickerei deutlich lockerer zu stricken als bei einfarbigen Projekten.

Deshalb ist zusätzlich auch noch eine Maschenprobe auf der Banderole aufgedruckt. Diese gibt die Maschen- und Reihenzahl pro zehn Zentimeter an. Am sinnvollsten ist es, selbst eine Maschenprobe anzufertigen (wie das geht, habe ich hier beschrieben), um diese mit der Angabe auf der Banderole zu vergleichen. Wer mehr Maschen oder Reihen auf zehn Zentimeter gestrickt hat, als angegeben sind, nimmt größere Nadeln, wer weniger Maschen hat, sollte mit kleineren Nadeln stricken.

Wenn in einer Strickanleitung eine Maschenprobe angegeben ist, vergleicht man diese ebenfalls mit der selbst erstellten Maschenprobe. Dabei sollte man darauf achten, ob sich die Angaben in der Anleitung auf glatt rechts gestrickte Teile bezieht, oder ob über einem Muster gemessen wurde. Rippen- und Zopfmuster z.B. ziehen ein Strickstück in der Breite zusammen, kraus rechts Gestricktes ist in der Höhe kürzer als glatt rechts Gestricktes usw. Im Zweifel strickt man die Maschenprobe lieber in dem Muster, in dem auch das fertige Strickstück gearbeitet werden soll, und berechnet die nötige Maschenzahl selbst.

Das geplante Projekt

Bei manchen Projekten kann es sinnvoll sein, eine ganz andere Nadelstärke als empfohlen zu benutzen. Wenn ich z.B. mein Strickstück später filzen will, sollte es deutlich lockerer gestrickt sein als üblich. Für locker fallende Schals mit Fallmaschen werden ebenfalls größere Nadeln benutzt. Wenn ein Strickstück besonders fest werden soll, z.B. für eine Tasche, dann ist es sinnvoll, kleinere Nadeln zu nehmen. Es kann also durchaus sein, dass eine Anleitung ungewöhnlich große oder kleine Nadeln empfiehlt.

Je mehr Strickerfahrung man sammelt, desto besser lernt man einzuschätzen, welche Nadeln für welches Garn und welches Projekt am besten geeignet sind. Die eigene Maschenprobe ist dabei ein wichtiges Hilfsmittel. Eine gute Idee ist es auch, alte Maschenproben aufzuheben und dabei zu vermerken, mit welchen Nadeln sie gestrickt wurde. So kann man beim nächsten Projekt mit dem gleichen Garn auf diese Information zurückgreifen.

Mit der Zeit kristallisiert sich bei vielen eine Vorliebe für bestimmte Nadelstärken heraus: Manche mögen die schnellen Erfolge, die sich mit dickem Garn und dicken Nadeln erzielen lassen, andere bevorzugen feine Nadeln für filigrane Lochmusterstrickereien. Bis du deine eigenen Vorlieben kennst, experimentiere einfach ein bisschen mit verschiedenen Stärken. Für den Anfang sind die mittleren Stärken (zwischen 3,5 und 6) ganz gut geeignet; ganz kleine und ganz große Nadeln sind etwas gewöhnungsbedürftiger.

Lass’ dich von Angaben auf Banderolen und in Strickanleitungen nicht ins Bockshorn jagen! Letztlich ist es deine Entscheidung, welche Nadelstärke du verwendest. Die wichtigste Regel ist auch hier: wenn das fertige Strickstück so aussieht wie gewünscht, dann ist es richtig.

Viel Spaß beim Stricken!