Der Stricktag in der Presse
Dienstag, 17. Juni 2008 6:23
Die ersten, die am Samstag zum Oldenburger Stricktag auftauchen, sind gar keine Stricker. Das sind zwei Leute von der taz.nord, die “das Stricken dokumentieren” wollen. Wieso sie dann nicht nach Hamburg gegangen wären, zum größeren Treffen hier im Norden, will ich wissen. Nein, nein, heißt es, die Hamburger Redaktion hätte sie extra zu uns geschickt, die wollten im Kulturteil auch mal wieder was “aus der Provinz” haben.
Ach so. Dann erwähnen wir mal lieber nicht, dass der WWKIPD weltweit in Städten wie New York, London und Paris statt findet, und dass sich selbst zu uns in die Provinz ein lieber Gast aus Berlin verirrt hat. Hätte wohl eh nix genutzt, denn obwohl die junge Dame eifrig auf ihrem Notzizblock kritzelt, schreibt sie in ihrem Artikel ja doch, was sie will. Zum Beispiel, dass der Stricktag von einer Garnproduzentin ins Leben gerufen worden sei. Ich weiß ja nicht, wo Frau Beelte recherchiert – auf der Homepage von Danielle Landes, der WWKIPD-Gründerin jedenfalls nicht. Aber was soll man erwarten von Journalisten, die noch nichtmal die Abkürzung für World Wide Knit In Public Day (WWKIPD) richtig in ihren Artikel schreiben.
Während wir also die erste halbe Stunde des Stricktags mit Fragen-Beantworten verbringen dürfen (wenigstens will sie nicht wissen, ob Stricken das neue Yoga ist), schleicht ein Fotograf um uns herum und bemüht sich, die strickende Provinz zeitungstauglich in Szene zu setzen. Zwischendurch gibt er noch Schauergeschichten aus seinem Germanistikstudium zum Besten, wo ein Professor eine strickende Studentin übel zur Schnecke gemacht haben soll. Leider können wir nicht mit ähnlich reißerischen Geschichten aufwarten: die Oldenburger Professorenschaft ist (meiner Erfahrung nach) dem Nadelgeklapper im Vorlesungssaal gegenüber eher gleichgültig eingestellt.
Aber ich will mich nicht beschweren. Schließlich ist es ja Sinn und Zweck des Weltstricktags, in der Öffentlichkeit mit dem Vorurteil aufzuräumen, stricken sei nur etwas für Omas und beschränke sich auf kratzige Pullover und Spitzendeckchen. (Womit ich nichts gegen Omis oder das Spitzenstricken gesagt haben will!) Und wenn es dazu einen taz-Artikel braucht, in dem cocktail-schlürfende Spinnerinnen und strickende Männer besondere Erwähnung finden – nur zu!
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Thema: Stricken | Kommentare (5) | Autor: Annkari

