Dienstag, 16. August 2011 18:02
So schnell habe ich schon lange nichts mehr fertig gestrickt: Am Freitag Abend habe ich ein neues Tuch angeschlagen weil meine ganzen UFOs mir zu blöd waren, und am Montag lag das Ding fertig gespannt auf dem Esszimmertisch. o.O

Das Garn dazu hat eine lange und wundersame Wandlung hinter sich, es kam nämlich ursprünglich als handgefärbte Merinowolle in knallbunten Farben zu mir.

Was man auf dem Foto nicht erkennt: dieses Kanarienvogelgelb machte den größten Anteil der Farbe aus, und gelb ist nun so gar nicht meine Farbe. Beim Spinnen war ich dann auch nie so richtig mit dem Farbverlauf zufrieden, und die Fasern sind erstmal nach ganz unten in die Spinnkiste gewandert.
Zum Glück gibt es aber die Richi und ihre tolle Kardiermaschine, sodass ich die Farben neu zusammenmischen konnte.

Aus den etwa 100g, die ich zu diesem Zeitpunkt noch übrig hatte, habe ich zwei neue batts kardiert, ein gelb-grünes, und eins das mehr in herbstlich-braune geht. Versponnen habe ich das Ganze im langen Auszug am Spinnrad, um noch möglichst viel Lauflänge heraus zu holen. Zum Zwirnen mit der Handspindel habe ich mir dann hübsche Zwirnknäule gewickelt.

Mit der Spindel habe ich gezwirnt, um schneller richtig viel Zwirndrall auf das Garn geben zu können. Die fluffigen Einzelfäden wirkten nämlich recht zebrechlich, und irgendwo muss das Garn ja am Ende seinen Halt herbekommen.

Ich weiß nicht mehr genau, zu welcher Jahreszeit ich das gezwirnt habe. Um irgendeinen Feiertag herum war das, aber welcher bloß?
Frisch von der Spindel und mit so viel Drall sah das Garn natürlich erstmal merkwürdig aus:

Nach einem heißen Wasserbad war aber alles wieder gut und das Garn hätte sich ganz normal verstricken lassen. Wenn ich denn eine passende Anleitung dafür gefunden hätte! Wo ich nun schon soviel Arbeit da rein gesteckt hatte, wollte ich nicht einfach das erstbeste Tuchmuster nehmen, und so besonders viel Garn war es ja ohnehin nicht. Also lagen auch die fertigen Stränge erstmal eine ganze Weile lang unten in einer dunklen Kiste und machten sich langsam schon Sorgen, ob ich sie wohl ganz und gar vergessen hätte.
Bis ich eben am oben erwähnten Freitag endlich mal wieder was neues schönes tolles stricken wollte und mir kurz entschlossen die Anleitung für Simmer Dim von Gudrun Johnston gekauft und direkt losgestrickt hab.

Ich weiß nicht wieso, aber ich hatte ganz vergessen, wieviel Spaß das Stricken machen kann, wenn alles zusammenpasst: schönes Garn, das sich toll anfühlt; Farben, die miteinander harmonieren und das Muster gut zur Geltung bringen; eine gut geschriebene und leicht zu befolgende Anleitung und nicht zuletzt ein verregnetes Wochenende auf dem Sofa.

Das Muster ist super einfach zu stricken und trotzdem interessant genug, dass man sich dabei nicht langweilt. Bloß der Abkettrand mit den ewig vielen Picots zieht sich ein bisschen lang hin, aber irgendwas ist ja immer.
Das Tuch trägt sich wunderbar leicht und kuschlig, und ich habe die Freude am Stricken endlich wiederentdeckt. Das nächste Projekt ist auch schon auf den Nadeln, mehr dazu in den nächsten Tagen.
