Drahtseilakt Zwirnen
Wenn ich selber spinne, ist mein Ziel meistens ein ausbalanciertes Garn, das sich verstrickt auch nach dem Waschen nicht mehr verzieht. Diese Balance zu finden ist nicht immer ganz einfach.
Direkt nach dem Spinnen sieht man den Einzelfäden noch ganz gut an, wieviel Zwirndrall sie gerne hätten: man muss sie einfach nur mit sich selbst verdrehen lassen. Leider komme ich in den seltensten Fällen dazu, frische Fäden zu verzwirnen. Dann hat sich der Drall in den Fäden schon gesetzt, und ich muss nach Gefühl zwirnen.
Früher dachte ich immer, wenn das Garn nach dem Zwirnen lose von der Spule hängt, bzw. wenn der daraus gewickelte Strang sich nicht um sich selbst dreht, habe ich ein schön balanciertes Garn. Dann habe ich viel von Abby Franquemont gelesen und gemerkt, dass das nicht immer so sein muss. (Besonders aus Ihrem Beitrag zum Thema Zwirnen habe ich viel gelernt: Plying, with video!)
Das habe ich jetzt mit meinen BFL-Resten auf der Spule ausprobiert: Die Spule lag schon einige Tage faul auf dem Couchtisch, bevor ich den Restfaden Navajo-gezwirnt habe — bewusst mit mehr Drall, als ich sonst nehmen würde. Direkt von der Spule sah das Ganze so aus:
Nicht gerade das, was man sich unter einem ausgeglichenen Faden vorstellt, oder? Dann gings rund (wir stellen uns im Hintergrund die Trainingsmontage-Musik aus Rocky vor): Erst 30 Min. in heißem Wasser und Wollwaschmittel eingeweicht, danach abwechselnd mit heißem und kalten Wasser ausgespült. Zum Abschluss den Strang noch ein paar Mal kräftig gegen die Wand geklatscht.
Wenn es z.B. Sockenwolle werden soll, muss ich die nach den Spinnen nicht wie ein rohes Ei behandeln und nur ganz vorsichtig in Regenwasser schwenken. Die soll ja schließlich nach dem Stricken einiges aushalten, da kann sie ruhig vorher schon ihr wahres Gesicht zeigen. Wer sich in dieser Phase schon als Memme heraus stellt und unter dem Druck zerbricht zerreißt, fliegt eh raus.
Der Strang hing unbeschwert eine Nacht zum Trocknen, heute sieht er so aus:
Hättet Ihr das gedacht? Ich ehrlich gesagt nicht. Der Faden hat noch einen ganz kleinen Tick zu viel Drall, der Strang hängt aber supergerade und entspannt. Bei Gelegenheit stricke ich mal eine Maschenprobe, um zu gucken, ob sich dabei was verzieht. Glaube ich aber eher nicht.
Das Garn fühlt sich übrigens trotzdem noch schön weich und fluffig an, ich bin echt beeindruckt!



Sonntag, 8. Februar 2009 21:48
Hallo Annkari,
wow jetzt bin ich beeindruckt! Das ist der Wahnsinn. Das werde ich bestimmt auch mal ausprobieren. Waren die verzwirnten Fäden nach dem Wässern immer noch sehr überdreht?
Liebe Grüße
Nala
Montag, 9. Februar 2009 10:43
Die Fäden hatten sich nach einer halben Stunde im Wasser schon deutlich entspannt. Man konnte zwar noch etwas Extra-Drall sehen, aber nur noch stellenweise und nicht mehr viel.
Durch das An-die-Wand-Klatschen hat sich der restliche Drall dann noch ganz gut verteilt. Ich bin echt mal gespannt auf die Maschenprobe!
Montag, 9. Februar 2009 11:16
Die Wolle sieht super aus! Da bin ich auf die Socken gespannt!
Grüße
Julia
Montag, 9. Februar 2009 16:50
… schönes Garn! Und ich bin beeindruckt, wieviele Arbeitsgänge dabei sein können und was man alles wissen und können muß – Wahnsinn!
Liebe Grüße;
Anja
Dienstag, 10. Februar 2009 19:27
ich habe jetzt ganz fasziniert gelesen, irgendwie kämpfe ich auch immer noch mit Drall und Verzwirnen, nach Gefühl eben….
Dein Ganr gefällt mir, neidisch guck…
LG Bonny
Dienstag, 17. Februar 2009 7:15
[...] Woche habe ich aus ein paar Resten BFL auf meiner Spule ein 3-fädiges Garn navajo-gezwirnt, zu Testzwecken mit deutlich mehr Drall als üblich. Vor dem Waschen sah das Garn [...]